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Toni,
27 Januar 2012
Guatemala
, Lago Atitlan, Nebaj, Coban, Semuc Champey
31°
Das neue Jahr hat begonnen! Und es ist das Jahr für Guatemala schlechthin, da die Mayas dieses Jahr den Beginn einer neuen Ära vorausgesagt haben (nicht das Ende der Welt, wie ich hier belehrt wurde. Nur das Ende einer bestimmten astrologischen Stellung).
El Rosario und die Familie verliess ich Anfang Januar, legte jeweils einen kurzen Stopp in Antigua, dem Quetzal Sanctuary und El Estor ein und begab mich auf die östliche Seite des Lago Izabal, welcher nahe der Karibikküste liegt.
Dort ist das Schutzgebiet der Bocas del Polochic mit der Forschungsstation „Estacion cientifica Selempim“ in gleichnamigen Dorf. Leider verpasste ich gerade so das Boot und da ich nicht 2 Tage in El Estor auf das nächste warten wollte, trampte ich sozusagen per Boot mit ein paar Einheimischen, die auch auf die andere Seite, jedoch viel weiter nördlich fuhren. Von den Leuten in dem kleinen Fischerboot sprach nur einer Spanisch, alle anderen nur Q’eck’chi’. Ich verstand ihn so, dass ich auf der anderen Seite nach Selempim trampen könnte, da es eine Strasse gibt, die die zwei Dörfer verbindet. Nach einer knappen Stunde warten in den Ölpalmplantagen kam aber immernoch kein Auto und drum fuhr mich jemand für ein paar Quetzales mit einem Motorrad hin. Ich hätte so gern ein Foto davon, denn das muss ein verrückter Anblick gewesen sein: mein diesmal sogar noch schwerere riesen-Rucksack (wegen all der Lebensmittel, die ich mitbringen musste) ganz hinten, dann kam ich, vor mir hielt ich Touchwood und vor ihm war der Fahrer, der dann auch noch meinen anderen Rucksack vorne auf dem Tank hatte. Ich habe während der einstündigen Fahrt mal ein Foto mit meinem Handy gemacht, aber es is nicht so toll…
Die Forschungsstation lag ein wenig ausserhalb des Dorfes, auf einer Lichtung im Regenwald. Es gab ein sehr großes Holzhaus auf Stelzen in welchem die rustikale Campküche, eine große Aufenthaltsfläche mit Tischen und Stühlen, einige Hängematten und im 2. Stock die zwei Schlafsäle für Männer und Frauen sind. Ein Holzsteg verband das große Haus mit einem kleineren und mit den Duschen und Klos. Von der Terrasse des Haupthauses aus konnte man jeden morgen wunderbar Vögel beobachten und vorallem “belauschen”. Es gibt keinen Strom in der Station und im Dorf hat nur die kleine Kirche einen Generator, den sie Abends für 3 Stunden während des Gottesdienstes anmachen. Da um die Station herum sehr hohe Regenwaldbäume wachsen, gab es nur für ungefähr 4 Stunden pro Tag direkte Sonne und abends war es halb sechs schon stockfinster. Das hiess also kochen bei Kerzenschein – daran kann man sich tatsächlich auch gewöhnen! Eine Woche ohne meinen Computer auszukommen war da schon schwieriger…
Mein Spanisch hatte sich mittlerweile ziemlich verbessert, aber es war immernoch recht schwierig für mich, wenn es keine Englisch sprechenden Personen in der Nähe gab oder mein Gesprächspartner wirklich kein einziges Wort Englisch versteht. So war es in Selempim der Fall. Man konnte sogar sagen, dass ich mich glücklich schätzen konnte, dass jemand Spanisch sprach, denn die meisten sprechen ausschlieslich ihre Mayasprache. Die Kommunikation war also ein wenig kompliziert, auch wenn ich mittlerweile das wichtigste Wort auf Q’eck’chi’ kann: Schlange. Aber wiedermal ist es erstaunlich, wie viel man versteht, selbst wenn man nur ein paar Fetzen von einer Sprache beherrscht. So konnte ich auf einer Wanderung von Alphonso, der in der Station arbeitet, so einige Pflanzen kennenlernen, die entweder essbar sind oder gegen Malaria helfen. Auch einen Farn hat er mir gezeigt, der eine weisse Schit auf der Unterseite hat und wenn man diese auf die Haut legt und einmal draufschlägt, bekommt man ein hübsches, vorübergehendes, weisses “Farntattoo” (siehe Foto).
Wir sind durch Mais-, Bananen- und Kardamom plantagen gelaufen, bis wir eine gute Sicht über das Gebiet hatten. Und hier konnte ich endlich sehen und verstehen, warum dieses Gebiet so wichtig ist. Denn die gesamte Umgebung wurde gerodet um Ölpalmplantagen anzulegen – bis auf einen kleinen Streifen Regenwald, der noch übrig geblieben ist und ein wichtiger Rückzugsort und Korridor für die Tiere des Waldes darstellt. Er verbindet das große Schutzgebiet der Sierra de las Minas im Südwesten und den Lago Izabal, mit seinen vielen kleinen Flüssen und Sümpfen. Die Tiere konzentrieren sich also auf diesen Restregenwald, da viele in den Plantagen keine Nahrung finden.
Ich fand es sehr erstaunlich zu hören, was für ein Aufwand es ist, Kardamom anzupflanzen. Zuerst kommt der für mich scheusslichste Part: das Roden des Regenwaldes. Dann müssen die kleinen Pflanzen gepflanzt werden und in den 3 Jahren bis sie Samen tragen muss die Plantage regelmäßig gepflegt und das Unkraut mit einer Machete entfernt werden, was ein Knochenjob ist bei so viel wucherndem Gestrüpp, so einer großen Fläche und so kleinen Nutzpflanzen dazwischen, die man nicht übersehen darf. In der ersten Zeit muss dies einmal im Monat gemacht werden, später, wenn der Kardamom größer ist nur noch zwei mal im Jahr. Dann kommt das Ernten, was eine Fuzzelarbeit ist. Die Samen sind in kleinen Kapseln am Boden um die Pflanze herum. Von einer Pflanze kann man zwar relativ viel Kardamom gewinnen, aber dennoch verkaufen die Locals den Kardamom für 2Q für 1 libra (450g). Ein halbes Kilo Samen, die fast nichts wiegen muss man erstmal zusammenkriegen und das ist gewiss ein stattlich großer Beutel – und der kostet nichmal 20 cent! Und das für die viele Arbeit über mehrere Jahre hinweg!
Sonst leben die Mayas in der Region auch vom Fischfang.
Das Dorf Selempim liegt teils am Regenwaldrest, an Ölpalmplantagen und an sumpfigen Mangrovenwald. Mein erster Besuch im Dorf stellte sich als Spiessroutenlauf heraus, alle Einwohner kamen auf die kleine, matschige Strasse ´gerannt um mich anzustarren. Alle Anwohner waren dabei, als ich einfach nur zum gucken durch das Dorf schlendern wollte. Alle starrten wie in Indien, es kamen Pfiffe und Gelächter und einige Kinder rannten um mich herum und riefen „Gringo, gringo!“. Ich bin nie wieder tagsüber in das Dorf gegangen.
Und ich war heilfroh, dass die Station etwas ausserhalb lag!!!
Nun zu den Tieren. Brüllaffen konnte ich jeden Tag finden (etwa zur selben Zeit, etwa am selben Ort) und man konnte sie oft hören, manchmal sogar in der Nacht. Sie sind schwarz, haben einen Greifschwanz und die Männchen können ein ziemliches Theater machen, wenn man in der Nähe ist. Spassenshalber habe ich mal ein wenig mit Pfeifen angefangen und das schien ihn ziemlich irritiert zu haben. Er hat einfach immer weiter gebrüllt und ist manchmal für kurze Zeit sehr laut geworden. Die Weibchen haben mich einfach nur interessiert beobachtet und sind dann abgezogen. Touchwood war völlig konfus und es hat lange gedauert bis er kapiert hat, dass das Brüllen von oben kommt...
Im Wald gab es viele Ameisenstrassen von Blattschneideameisen, die Pflanzenteile in ihren Bau brachten. Dort herrschte ein reges Treiben und die vielen „wandelnden Blätter“ (so sah es aus, wenn man nicht zu genau hinguckte) wurden von sehr viel größeren Soldaten bewacht, die nicht nur eine beachtliche Körpergröße aufwiesen, sondern teilweise auch sehr beeindruckende Mundwerkzeuge (siehe Foto)! Mit so einem ist nicht zu scherzen und selbst wenn man nur ruhig dasteht und sie nicht stört, bemerken sie einen doch irgendwie und kommen sofort an um einen zu vertreiben. Sie sind die Bodyguards, die die Paparazzi fern halten müßen.
Ansonsten gab es noch einige Echsen zu sehen und ich schaffte es endlich, ein Foto von einer Schlange zu machen. Ich hatte schon vorher Schlangen finden können, aber die waren zu schnell gewesen als dass ich sie bildlich oder im übertragenen Sinne festhalten konnte.
Ausserdem hatte ich das große Glück auf einer Bootstour ein Manatee, eine Seekuh zu sehen. Ich hatte schon gelesen gehabt, dass es fast unmöglich ist, eines zu erblicken und viele Lokals, mit denen ich mich später unterhalten habe, meinten, sie hätten noch nie in ihrem Leben eines gesehen – und viele von denen sind jeden Tag auf dem Wasser zum Fischen! Es ist also schon etwas besonderes. Zuerst habe ich die kleine Erhebung im Wasser gesehen und dachte „Uuuuh, ist das eine Schildkröte??“, aber die Fläche wuchs und wuchs und tauchte dann wie ein Wal auf und tauchte wieder ab, wobei man gut die gegabelte Schwanzflosse sehen konnte. Ein herrliches Erlebniss!
Auch Nachts war ich auf der Suche nach Tieren, aber leider wurde ich dabei „erwischt“ wie ich ausserhalb der Station suchte und mir wurde dringlichst davon abgeraten. Am nächsten Morgen wurde im Nachbardorf jemand mit 12 Schüssen in die Brust erschossen um ihn auszurauben. Seitdem bin ich nicht mehr Nachts raus gegangen.
Da ich mich mit den wenigen Leuten, die in der Station unterkamen nur mäßig viel unterhalten konnte, war ich sehr froh, Touchwood dabei zu haben! Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ist ohne ihn zu reisen! Mittlerweile kann er auch einige Kommandos, die er sehr schnell gelernt hat. Ich glaube, ich habe einen echten Glückstreffer mit diesem Hund gelandet! Das haben auch schon andere gesagt und es wollten ihn mir schon 3 Personen abkaufen – auch Alphonso von der Forschungsstation.
Die ersten Fotos sind noch von Weihnachten und Silvester in El Rosario.
Bei der Schilkröte sieht man bei der Bauchansicht, warum sie Klappschildkröte heisst: sie hat vorne und hinten im Bauchpanzer jeweils eine Klappe, die sie zumachen kann, so dass sie noch besser von Feinden geschützt ist
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