My first travel Australia Australia, Alandi Ponds, Badgingarra   

Eintrag

Toni, 1 Juli 2009
Australia Australia, Alandi Ponds, Badgingarra

"Farmstay im Outback" oder "Bei der Familie West"


Nach so einer langen Wartezeit will ich euch endlich mal wieder mit einem kleinen Artikel und ein paar netten Bildern beglücken. Da ich, wie ihr sicher wisst, mit meinen Berichten hier ein wenig hinterher bin, kann ich mich nicht mehr so gut an alles erinnern, was im Februar und März so alles passierte, als ich auf der Farm gearbeitet habe. Daher verzeiht mir bitte, wenn es nicht sehr detailreich ist.
Nachdem ich in Perth also vergeblich nach Arbeit gesucht und mein Geld schon wieder etwas zur neige ging, habe ich mich entschlossen, zu WWOOFen. WWOOF steht für Willing Workers On Organic Farms und es heißt, dass man auf einer Farm den halben Tag arbeitet und dafür Kost und Logis umsonst bekommt. Und, am wichtigsten: man lernt den faszinierenden Lifestyle des Farmlebens in Australien kennen. Die Farm, auf welcher ich für einen Monat war, ist eine Fischfarm mitten im Outback und in den rund 30 Teichen zieht die Familie West "Silver Perchs" heran, welche, wenn sie entsprechendes Gewicht erreicht haben, in Perth verkauft werden. "Perch" heißt Barsch, doch eine genaue Übersetzung für eben diese Art gibt es meines Wissens nach nicht, denn sie ist nicht sehr häufig. In der Natur kommt diese Art nur in einem Fluss und dessen Nebenarmen vor und ist daher recht rar. Doch zum Essen eignen sie sich wunderbar und obwohl ich Fisch in Deutschland nie so wirklich gemocht habe, habe ich in den "Alandi Ponds" nie einen Fisch verschmäht, der auf meinen Teller kam. Neben dem Fisch-essen, habe ich diesen auch mitgefangen. Dafür haben wir ein großes Fischernetz (geschätzte 20 oder 30 Meter lang und 2m tief) durch die Teiche gezogen und je nachdem zwischen 100 und 600 Fische darin gehabt. Ich sage euch, es verlangt schon Kraft, ein solches Netz zu ziehen! Ich habe einiges an Muskelmaße auf dieser Farm zugelegt, nicht nur durch das Fischen. Ich konnte, wie auf dem Hof in Deutschland, richtig sehen, wie meine Unterarme vor Muskeln "schwollen". Ein schönes Gefühl fit zu sein! Ich war auch äusserst überrascht, was für Kräfte und Energie in Albert West, dem Farmer, stecken! Er ist immerhin schon 68 Jahre alt, doch konnte den ganzen Tag Löcher in den Sandboden buddeln, wo ich schon nach 2 oder 3 der zwei Meter tiefen Löcher gehörig ins Schnaufen kam. Ich war schon beeindruckt, dass so ein "alter Mann" mich locker an Power übertrifft und scheinbar unendliche Kräfte besitzt! Die Löcher haben wir geschaufelt, da durch ein Unglück mit einem Schlag rund 900 Fische gestorben sind (Gott-sei-Dank war ich nicht dafür verantwortlich!). Ein ziemlich harter Schlag und ein Verlust von mehreren Tausend Dollar. Die frisch gestorbenen Fische haben wir in windeseile filletiert (das kann ich jetzt gut, nach einem Tag nur Fisch-fillets ausschneiden!) und eingefroren, zum selber essen oder billiger verkaufen. Die anderen jedoch konnte man nicht mehr retten. Mmh. Was tun mit 800 toten Fischen, wenn man mitten im Outback ist? Klar: eingraben. Und so kam es, dass wir einige Tage mit Löcher buddeln beschäftigt waren. Doch die toten Fische haben wenigstens noch zwei gute Zweche erfüllt: mir fellitieren von Fisch begebracht und all die vergrabenen dienen nun als Super-Dünger für die darauf gepflanzten Bäume.
Die Farm der West´s ist weitab von der nächsten Ortschaft, wie so viele Farmen der Umgebung. Früher hat die Familie, wobei mittlerweile nur noch das Ehepaar Albert und Diane mit ihrem adoptiertem Kind (Troy, ein Aboriginie) dort wohnen, auch einige hundert Schafe gehalten und sich hauptsächlich mit dem Verkauf der Wolle über Wasser gehalten. Doch das Wollgeschäft wird schlechter und schlechter für die Bauern, sie bekommen immer weniger Geld für ihre Wolle und etliche Farmer sind in den letzten 10 Jahren aus dem Geschäft ausgestiegen, da es sich einfach nicht mehr rentiert. Daher haben die West´s große Teile ihres Landes verkauft und konzentrieren sich nun auf die Silver Perchs. Das ganze hat auch eine Touch von Selbstversoger, da sie in der entsprechenden Jahreszeit allerlei Gemüse anbauen und dies, wenn möglich lagern oder einmachen, einige Hühner haben, welche sie mit Eiern versogen, sowie einen riesigen Obstgarten, in welchen sich Orangenbäume an Feigen-, Avokado- und Zitronenbäumen reihen. Der Feigenbaum ist zwar noch winzig klein, doch er bringt so viele Früchte hervor, dass ich jeden 3. Tag eine Feige ernten und geniessen konnte.
Neben dem Fischen habe ich vorallem im Garten viel gearbeitet, da ich und die Wests festgestellt haben, dass mir das richtig Spass macht. Ich glaube, ich hatte vorher noch nie so viel Freude am Gärtnern. Und ich bin wirklich froh, dass Albert und Diane so freundlich sind und genau schauen, was einem Spass macht und was man gut kann, und einem dann solche Arbeiten geben. Es war auch immer genügend Abwechsung in meinen Tätigkeiten, ich habe also nie zuviel vom Gärtnern, Löcher Graben oder Fischen gehabt. Es war wirklich toll, ich habe mich sehr wohl gefühlt. Vorallem über Pflanzen und das Fischen habe ich sehr viel gelernt, da ich mich für das beides am meisten begeistern konnte (hätte ich früher auch nie gedacht, dass ich mich mal für Fische interessiere...).
Mehr natürlich haben mich die Schildkröten begeistert, die sich hin und wieder in unseren Netzten verfingen. Albert mag sie gar nicht, da sie in den Teichen seinen Fischen das teure Fischfutter wegfressen. Das regelmäßige Füttern dieser Schlangenhalsschildkröten hat dazu geführt, dass sie zu überdimensionalen Größen heran wachsen. Ihre Artgenossen im nahen Fluss sind dagegen Winzlinge: Albert schätzt sie auf ein Gewicht von 300g bei einem Panzerdurchmesser von meiner Hand. Ein besonders großes Exemplar, welches wir aus einem der Teiche zogen, habe ich mal gewogen und konnte es kaum glauben: es wog 1,8kg! Die Schildkröte war wirklich riesig und ich konnte mir kaum vorstellen, dass sie in "Wirklichkeit", also ohne menschlichen Einfluss, sehr klein bleiben. Die Schildkröte konnte aber nicht im Teich bleiben, da Albert sein Fischfutter lieber in den Fischen sieht, als in dem Magen eines Reptils. Wenn man sie in der Wildniss aussetzten würde, würde sie mit ihren hohen Futteransprüchen ganz gewiss verhungern. Für so einen großen Apetti gibt es in dem winzig kleinem Fluss, welcher momentan (es ist Trockenzeit) nur ein kleines Rinsal ist, einfach nicht genug zu Fressen. Verkaufen oder verschenken darf man sie rechtlich gesehen auch nicht, da die Australier mit ihren Vorschriften und Gesetzen noch bei weitem strenger sind als in Deutschland. Für den Verkauf dieser Tiere bräuchte man eine Genehmigung und eine solche zu bekommen ist wie ein Sechser im Lotto. Was also tun mit dem Tier? Albert hat eine für ihn recht einfache, für mich anfangs jedoch ziemlich harte, Lösung gefunden: er bringt sie einfach zu seinem Nachbarn, einige Kilometer weiter, welcher ein Vietnamese ist und Schildkröten am liebsten in der Suppe hat. Das war für mich am Anfang natürlich schon ein Schock, aber wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es dann wohl doch besser, als sie in dem Fluss elendig verhungern zu lassen. Albert zu überreden, sie in den Teichen zu lassen, hat leider auch nicht geklappt Smile
Die meiste Zeit dort war ich alleine, nur als ich ankam (einen Tag vor meinem 20. Geburtstag) war noch ein anderer WWOOFer da: David, ebenfalls ein Deutscher. Es war ganz nett, wieder ein wenig die Muttersprache zu sprechen und einen eher Gleichaltrigen dort zu haben. Aber auch "alleine", sprich als einzigster WWOOFer war es sehr schön, denn ich habe mich prima mit Albert verstanden, konnte mich sehr schön mit ihm unterhalten und natürlich wieder neue Vokabeln lernen (so heißen die Hühner in Australien zum Beispiel nicht "chickens", wie ich es in der Schule gelernt habe und wie im UK gesagt wird, sondern "Chucks" - sowas lernt man nicht, wenn man sich in Städten aufhält).
Besonders stolz bin ich darauf, dass ich auf dieser Farm auch richtig das Autofahren gelernt habe. Bzw. das "ute" fahren. "Ute" ("jut" ausgesprochen) heißen hier die Autos mit den zwei Sitzen vorne und kleiner Ladefläche hinten (siehe Fotos). Wie heißen die denn auf Deutsch? Pick-ups? Auf jeden Fall bin ich mit eben jenem Gefährt sehr viel gefahren und bin natürlich immer sicherer geworden. Meistens nur innerhalb des Grundstückes, also zu den Teichen und um diese herum beim Fischen, aber manchmal durfte ich auch fahren, wenn wir zum Beispiel ein paar Nachbarfarmer besuchen gefahren sind, wie die das Schweizer Aussteigerpärchen, welche eine wunderschöne Farm und gezähmte, mit der Flasche aufgezogene Känguruhs haben. Ungefähr bin ich, dass habe ich mal überschlagen, 150 km im Outback gefahren und bin nicht ein einzigstes mal einem anderen Fahrzeug begegnet! Nicht nur deshalb ist das Outback wie geschaffen um Autofahren zu lernen, sondern auch, weil es quasi keine Kurven gibt und man sich so ganz und gar aufs Fahren und Schalten konzentrieren kann. Ich könnte die Kurven, die ich in den hundertfünfzig Kilometern gefahren bin an zwei Händen abzählen. Und ich habe festgestellt: Autofahren macht mir richtig Spass! Ja, ich mag es wirklich und ich denke, dass ich auch ein ganz gutes Gefühl dafür habe.
Auch ein Quad haben sie gehabt (wie ein Motorrad auf 4 Rädern), welches ich täglich genutzt habe und was mir fast ebensoviel Spass gemacht hat zu fahren.
An meinem Geburtstag habe ich die erste Blauzunge finden können und später sogar noch 5 mehr. Diese faszinierenden Echsen haben ein ganz besonderes Abwehrverhalten: wenn sie sich bedroht oder gestört fühlen, reißen sie ihr Maul auf und zeigen dem Angreifer oder Störenfried ihre blaugefärbte Zunge unter ein wenig gefauche. Mehr zu diesen Echsen und auch mehr Fotos gibts natürlich schon seit langem auf meinem Blog (den ich doch ein wenig aktueller halte als diese Seite hier).
Und einwas neues gibt es auch noch: ich habe eine neue Kamera! Die alte Pentax habe ich ja in Perth an einen anderen Backpacker verkauft, mitssamt der Ausrüstung. Nun bin ich äusserst stolzer Besitzer einer ordentlichen Nikon D90, was doch nochmal eine ganz andere Liga ist Wink Sie ist wirklich viel besser. Es fehlen nur noch die vernünftigen Objektive, denn das simple 18-55mm was dazu kam taugt nicht so viel, auch wenn es besser ist, als das selbige von Pentax. Ich kann aber schon verraten: Heute ist das gute Sigma 105mm Makro angekommen! Schon um einiges später als ich die Kamera gekauft habe (3 Monate später), aber immerhin.
Fotos folgen irgendwann

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